E-Klausuren

Veröffentlicht von Nicole Podleschny am

E-Klausuren

Einführung

Bei einer E-Klausur handelt es sich um eine digitale Prüfung, bei der sowohl Vorbereitung, Durchführung als auch Korrektur in derselben Software-Anwendung (E-Prüfungssoftware wie z.B. moodle, Möbius, YAPS) erfolgen.

E-Klausuren finden in der Regel in Präsenz statt. Dafür haben verschiedene deutsche Universitäten eigene Testcenter eingerichtet.

Eher selten wird die E-Klausur als Fernprüfung durchgeführt. Hierfür sind jedoch die prüfungs-/datenschutzrechtlichen und technischen Voraussetzungen der jeweiligen Hochschule und des Bundeslandes zu berücksichtigen.

Einsatzszenario

E-Klausuren können auf verschiedene Arten gestaltet werden. Eine Variante ist, dass Prüfungen im Antwort-Wahl-Verfahren (z.B. Multiple Choice) konzipiert sind, um weitestgehend automatisch ausgewertet zu werden. Das Antwort-Wahl-Verfahren kann mit offenen Fragen kombiniert werden. Auch bei offenen Fragetypen profitieren Lehrende von einem reduzierten Zeitaufwand für die Korrektur aufgrund der verbesserten Lesbarkeit.

Durch das Hamburger MINTFIT-Projekt zur Verfügung gestelltes mobiles Testcenter für elektronische Prüfungen (TUHH, 2019)
Eine andere Variante ist, die Prüfung am Computer durchzuführen, um eine authentische Aufgabenstellung gewährleisten zu können. Hier können Studierende eine bestimmte Software anwenden, die zum Erreichen der Lernziele notwendig ist, z.B. Simulationen zur Einschätzung und Analyse von Sachverhalten, CAD-Programme zum Auslegen von Bauteilen oder Programmiersoftware. Die Auswertung der Prüfung erfolgt nicht unbedingt automatisch.
„In der studiengangsübergreifenden Veranstaltung "Öffentliches Baurecht“ haben wir es mit einer recht großen Kohorte von ca. 300 Prüflingen zu tun. Für die Klausur haben wir uns daher für Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren entschieden, die sich automatischer auswerten lassen. Wir verwenden hierfür die Prüfungs-Software EvaExam. Der Vorteil ist, dass sich mit dieser Software Prüfungsbögen erstellen lassen, die sowohl als Scanner- als auch als Online-Klausur genutzt werden können. Dies schafft hohe Flexibiliät."
Prof. Dr. Martin Wickel
HafenCity Universität
"In der Mathematik in Geodäsie wird seit "Geburt" der HCU systematisch auf E-Assessment mit der Plattform "möbius courseware" gesetzt. In dieser weltweit führenden Umgebung für mathematisches E-Assessment ist es möglich, auch komplexe Fragestellungen abzubilden und automatisch auswerten zu lassen. Das geht über bloßes Abfragen numerischer Ergebnisse weit hinaus. Formeleingaben und interaktive Plots sind ebenfalls möglich und die Nutzung ist nicht auf die Mathematik beschränkt. Wir setzen die Software sowohl für begleitendes (formatives) Assessment, also wöchentliche Übungen, als auch für die eigentlichen (summativen) Klausuren ein. Durch randomisierte Elemente können alle Testteilnehmenden verschiedene, aber gleich schwere Aufgaben erhalten und von einer unverzüglichen Auswertung profitieren.

Wir kombinieren dies mit schriftlich auszuführenden "komplexen Aufgaben", in denen die Studierenden zeigen können, dass sie die mathematische Notation anwenden und mathematische Gedankengänge darstellen können. Die Korrekturzeiten sinken in diesem hybriden Verfahren ganz wesentlich. Mit Hilfe der automatisch generierten, statistischen Übersichten der Software kann man sich über das Niveau des Verständnisses informieren und in den begleitenden Übungen dann ggf. gegensteuern."
Prof. Dr. Thomas Schramm
HafenCity Universität

Tipps zur Umsetzung

Aufgaben entwickeln

Kritiker von E-Klausuren argumentieren, dass das Lernzielniveau bei Antwort-Wahl-Aufgaben (sogenannten Single- und Multiple-Choice-Aufgaben) nicht über die Abfrage und Überprüfung von Faktenwissen hinausgeht. Jedoch können auch solche Aufgaben tieferes Verständnis oder Transferfähigkeiten abprüfen, z. B. durch eine Auswahl von Begründungen für einen Sachverhalt oder durch Bezugnahme auf einen Fall. Die Konstruktion solcher Aufgaben und die Formulierung geeigneter Distraktoren (unrichtiger Antwortalternativen) sind jedoch nicht trivial. Planen Sie daher genügend Zeit für die Entwicklung von Aufgaben ein. Weitere Infos zur Konstruktion digitaler Aufgaben finden Sie hier.

Fachspezifische Software nutzen

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil von E-Klausuren gegenüber Papierklausuren ist die Nutzung von Softwareanwendungen (z.B. Entwicklungsumgebungen für Programmieraufgaben) (vgl. Vogt & Schneider 2009, S. 11). Auf diese Weise können Aufgaben entwickelt werden, die qualitativ hochwertig, praxisnah und spannend sind. Insbesondere die Verwendung fachspezifischer Software ermöglicht ein hohes Maß an Interaktivität (vgl. Gallaun, Kruse & Seifert, 2019).

Passendes Scoring-Verfahren wählen

Bei der Bewertung von Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren lässt sich zwischen verschiedenen Scoring-Verfahren unterscheiden. Welches Verfahren für welches Aufgabenformat (SC bzw. MC) sinnvoll ist, ist detailliert beschrieben in: Auswertung von Klausuren im Antwort-Wahl-Verfahren (Lukas, Melzer & Much, 2017).

Unterstützungsangebot für HCU-Lehrende

Die Arbeitsstelle MINTFIT (AMH) bündelt die Kompetenz im Bereich elektronischen Prüfens der beteiligten Hamburger Hochschulen an einer Stelle und ist eine hamburgweite Beratungs- und Dienstleistungsstelle für Digitalisierung von Prüfen, Lehren und Lernen.

Das Dienstleistungsangebot der AMH umfasst folgende Bereiche:

  • Beratung rund um das elektronische Prüfen, wie z.B. Vorteile/Nachteile, Eigenschaften, Organisation, rechtliche Fragestellungen (vor allem Datenschutz und Prüfungsordnungen), Eckpunkte von Hard- und Software für die Durchführung der E-Prüfungen
  • Workshops bzgl. praktischer Fragen zur Umsetzung der E-Prüfungen, insbesondere: Erstellung von elektronischen Prüfungsaufgaben (technisch, nicht didaktisch), Auswahl der richtigen Prüfungssoftware, technische Umsetzung und Prüfungsdurchführung mit Geräten (des mobilen Testcenters)
  • Erstellung von elektronischen Prüfungsinhalten: Support bei der praktischen Überführung der Prüfungsfragen/-aufgaben in die digitale Welt bzw. in das gewählte Prüfungssoftwaresystem
  • Software – Prüfungsumgebungen: Beratung, Auswahl und Einführung in “sichere Prüfungsumgebungen”, SafeExamBrowser (SEB) und andere Prüfungssysteme
  • Hardware – Mobiles Testcenter: Möglichkeiten mit den (Leih-) Geräten der AMH, inklusive Aufbau und Betreuung der Prüfungsdurchführung

Die Ansprechpersonen für Ihre Hochschule finden Sie hier.

Tools an der HCU

Für digitale Klausuren gibt es an der HCU folgende Möglichkeiten:

  • EvaExam für Scan- oder Online-Klausuren für Prüfungen im Antwort-Wahl-Verfahren
  • disziplinspezifische Software für authentische Aufgabenstellungen (z.B. CAD-Programme, Statistikprogramme.
  • möbius courseware (ehemals Maple T.A.), gut geeignet für Mathematik und Informatik
  • Lernplattform moodle (siehe auch unser Beitrag Lernplattform moodle)
  • YAPS (Your Open Examination System for Activating and emPowering Students), ein elektronisches Prüfungssystem, das aktuell an der TUHH (weiter)entwickelt wird. Es bietet nützliche Funktionen für die Prüfungssituation, wie einen abgesicherten Browser oder die Administration über eine Handy-App. Aufgaben werden aktuell über browserbasierte Eigenentwicklungen eingebunden. Es sind vergleichsweise nur geringe Programmierkenntnise notwendig, um als Lehrende*r eine elektronische Prüfung anzulegen. Ansprechpartner hierzu ist die Arbeitsstelle MINTFIT Hamburg (AMH). 

e-Prüfungen: Chancen, Probleme, Lösungen (Prof. Dr. Michael Kipp)

e-Assessment: Das Testcenter der Uni Bremen

Literatur

e-teaching.org: Beitrag „E-Klausur“

Gallaun, D., Kruse, K. & Seifert, C. (2019). Mobiles Testcenter für E-Prüfungen. Poster für das E-Prüfungs-Symposium (EPS). Universität Siegen, 26.-27.09.2019. DOI: 10.15480/882.2441

Gallaun, D., Kruse, K. & Seifert, C. (2019). Aufgabenkonzepte für eine bessere Qualität von E-Prüfungen. Poster für das E-Prüfungs-Symposium (EPS). Universität Siegen, 26.-27.09.2019. DOI: 10.15480/882.2442

Leibniz Universität Hannover. Praktische Handreichung Erstellen und Bewerten von Multiple-Choice-Aufgaben.

Lukas, J., Melzer, A. & Much, S.. Auswertung von Klausuren im Antwort-Wahl-Format.

Schramm, Thomas (2010). MAP@HCU: „Mathematical Assessment and Practice“ an der HafenCity Universität Hamburg. https://www.e-teaching.org/etresources/pdf/erfahrungsbericht_2010_schramm-buhrke_map.pdf

Seifert, C., Podleschny, N. & Billerbeck, K. (2018). Einsatz von Simulationssoftware für authentischere Prüfungen – ein Beispiel. Vortrag auf dem E-Prüfungssymposium (EPS). RWTH Aachen, 29.-30.11.2018. Video online abrufbar

Vogt, M. & Schneider, S. (2009): E-Klausuren an Hochschulen. Koordinationsstelle Multimedia, JLU Gießen.

Arbeitsstelle MINTFIT Hamburg (zentrale E-Assessment-Servicestelle für die Hamburger Hochschulen und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf). Infos rund um das mobile Testcenter, Beratung & Workshops. 

Foto von Nguyen Dang Hoang Nhu auf Unsplash